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10 Fragen an ...
Evi Strehl, ehrenamtliche Kreisheimatpflegerin

10 Fragen an Evi Strehl, ehrenamtliche Kreisheimatpflegerin An einem schönen Sonntag Nachmittag wurde unser Kirwa.net-Team von Evi Strehl (ehrenamtliche Kreisheimatpflegerin und 2. Vorsitzende der Oberpfälzer Volksmusikfreunde) in ihren Garten gleich neben der Stadtmauer von Sulzbach-Rosenberg recht herzlich eingeladen. Im Laufe des Nachmittags lernten wir uns gegenseitig besser kennen und es wurden etliche Geschichten rund um das Kirwaleben, den Kirwabrauch und oberpfälzer Eigenheiten ausgegraben. Egal ob als Kirwamoidl, Kirwamusikantin oder Kirwatanzlehrerin, Evi Strehl hat wohl in den 80ziger zusammen mit Hanns Binder (1902-1987) das alte Brauchtum der Kirwa in unserem Landkreis wieder zum Leben erweckt. Heute ist Sie zwar nicht mehr selbst auf so vielen Kirwan unterwegs, steht aber immer gerne beratend zur Seite, wenn es um Kirwabräuche oder Kirwatänze geht. Diese Interview entstand im Anschluß an unser Treffen und ist fast ein muß für alle Kirwaleid.
kirwa.net: Evi, mal ein Blick zurück in deine jugendliche Sturm- und Drang-Zeit: Wer hat dich zu deiner ersten Kirwa gebracht?
Evi Strehl: Ich war damals aktive Sängerin und Musikantin beim Heimatverein Birgland und dieser richtet zusammen mit dem Heimat-u.Trachtenverein Stamm die "Sulzbacher Woizkirwa" aus. Ich tanzte (ich glaube es war 1978 oder 1979) mit nur 7 weiteren Paaren den Woizkirwabaum aus und fing absolut Feuer! (Damals war ich 20 Jahre alt) Dieses Gemeinschaftserlebnis zusammen mit traditioneller überlieferter Volksmusik prägte mich für mein weiteres Leben! Ich habe dann ca. 10 Jahre die Tanz- und Singproben sowie das "Kirwapaarwerben" für die Sulzbacher Woizkirwa übernommen und tanzte natürlich viele Jahre selbst mit aus. Anschließend war ich im gesamten Landkreis in dieser Sache unterwegs und es war für mich persönlich immer unglaublich bereichernd. Viele Freundschaften sind dadurch entstanden, die bis heute Bestand haben.
kirwa.net: Was war dein schönstes Kirwaerlebnis?
Evi Strehl: Es gab sooooooo viele schöne Erlebnisse, daß ich mich echt schwertue, ein bestimmtes herauszugreifen. Natürlich war es besonders schön, als ich zum erstenmal Oberkirwamoil wurde, zusammen mit dem Sulzbacher Zeitungsredakteur Achim Gebhard. Ich glaube, das schönste Erlebnis war, daß ich den Kirwafunken mit in den gesamten Landkreis getragen habe. Meine unzähligen Tanzkurse auf den Dörfern führten mit zu dieser "Kirwawelle", über die ich mich unbandig freue!
kirwa.net: Mittlerweile bist du Kreisheimatpflegerin und damit sehr viel auf den über 100 Kirwan des Landkreises unterwegs. Wird das nicht stressig?
Evi Strehl: Ja, das WAR ziemlich stressig - aber positiv stressig! Immer wieder entsprangen auf meinen Tanzkursen sogenannte "Multiplikatoren", die die Kirwabegeisterung weitertrugen. So hat sich diese einmalige Entwicklung verselbständigt und ich werde gar nicht mehr so gebraucht (was ich sehr positiv sehe, nicht, weil ich nicht mehr mag, sondern, weil nur etwas Bestand hat, das sich "selbst trägt"). Ich habe mittlerweile so viele andere Aufgaben im Landkreis, daß so ein Engagement, wie ich es damals entwickelt habe, ehrenamtlich gar nicht mehr durchzuhalten wäre.
kirwa.net: Kritiker behaupten, die Kirwan dienen letztlich nur dazu, dass sich die Jugendlichen mit Alkohol besaufen und die "lockere" Atmosphäre dazu nutzen, schnelllebige intime Beziehungen zu pflegen. Wie denkst du darüber?
Evi Strehl: Ich werde oft regelrecht zusammengeschimpft, weil ich so eine Kirwabefürworterin bin, obwohl die jungen Leute da doch nur zum Alkohol und sonstigen "Dingen" "verführt" werden. Meine Antwort ist immer: DAS WAR FRÜHER GENAUSO!!!!!! Früher haben sie an der Kirwa genauso "gesoffen" (sofern sie das Geld dazu hatten) und die ledigen Kinder früher sprechen Bände! (Heute gibts wenigstens die Pille!) Übrigens: Ich war schon auf vielen Hochzeiten eingeladen, die ihren Ursprung in einer Kirwa hatten. Diese Paare haben es VERSTANDEN, das gemeinsame herrliche Kirwaerlebnis mit in ein gemeinsames Leben hinüberzunehmen!
kirwa.net: Durch Deine Forschungen kennst du ganz gut Tradition und Brauchtum in anderen Regionen Bayerns. Gibt's es irgendwo etwas vergleichbares wie die Kirwa-Euphorie bei uns?
Evi Strehl: NEIN! In dieser Form zumindest nicht! Wenngleich in Franken - und wir gehören eindeutig zu diesem Großkirwagebiet Nordbayern (Franken und die angrenzende westliche! Oberpfalz) viele andere Formen dieses interessanten Brauchs zuhause sind. Bei uns hat sich z.B. durch das Neueinführen der Figurentänze statt der traditionellen Rundtänze eine Veränderung des Kirwabrauchs ergeben. Das ist eine Art "Sonderentwicklung" nur im Landkreis Amberg-Sulzbach, die sich langsam über die Landkreisgrenzen hinaus fortsetzt.
kirwa.net: Kirwan haben sich in ihrer Art und ihren Traditionen schon immer gewandelt. Neuerdings sieht man auf Kirwan auch Seifenkistl-Rennen, alpenländische Schuhplattler und Kirwamoidln in Lederhose. Was davon ist Zeitgeist und welche Elemente werden immer das Kirwa-typische bleiben?
Evi Strehl: Bräuche verändern sich und das ist gut so. Denn nur dann bleiben sie lebendig und werden von den Ausführenden (d.h. den Kirwapaaren) angenommen und mitgelebt. Sicher versucht jeder Kirwaort, irgendwas Besonderes, Einmaliges zu machen, um sich damit von den anderen Kirwaorten abzuheben und zu unterscheiden. Das ist ganz normal und auch wichtig, daß sich die jungen Leute Gedanken drüber machen, denn es ist ja IHRE Kirwa, die etwas ganz besonderes ist! Wir sollten aber schon darauf achten, daß wir nicht um JEDEN Preis und nur wegen der "SCHAU" ein Sammelsurium verschiedenster Bräuche konstruieren. Sonst haben wir irgendwann ein sogenanntes "Moik-Musikantenstadltum", das überall gleich seicht und austauschbar ist.Wir sind und bleiben Oberpfälzer! und mir bereitet ein oberbayrischer Schuhplattler um den Oberpfälzer Kirwabaum Magenschmerzen und es bleibt ein schaler Geschmack im Mund! Haben wir das nötig???????????Ein Oberbayer sagte bei meinem Vortrag "Tanzen im Kirwabrauch", den ich vor Gesamtbayrischen hauptamtlichen Heimatpflegern halten durfte: "Worum tanzts enk unsre Plattler nach? Habts enk koa eigenes Brauchtum? Und recht hat er! Das haben wir gar nicht nötig, bei der Überfülle von z.B. den überlieferten Bairischen (Zwiefachen). Diese sind nämlich der eigentliche Nationaltanz unserer Gegend!!!!! Warum muß man immer das Fremde nachmachen, bevor man die eigenen Wurzeln kennt? Ich lade zusammen mit Bernhard Schmausser von den Oberpfälzer Volksmusikfreunden einfach mal ein, diesen besonderen taktwechselnden Tanz kennenzulernen. In dieser Vielfalt gibt es ihn sonst kaumwo in GANZ BAYERN. Wie wärs denn mal mit einem Wettbewerb, WER die verzwicktesten Bairischen (Zwiefachen) tanzen kann? Das wär doch wirklich mal was GANZ BESONDERES, das es nirgendwo anders gibt! Bleiben muß natürlich immer der Tanz um den Baum und das gemeinsame Singen der Kirwapaare, sei es nun in Gstanzl (Schnodahüpfl)-Form oder sonstigen geeigneten Liedern und bleiben wird und muß auch, daß nur ledige Paare mitaustanzen dürfen. Die Figurentänze sind ja ganz schön; nur wenn die Kirwapaare dann oft nichtmal einen Walzer (oder Polka, Schottisch, Dreher, Bairische) können, finde ich das sehr schade. Denn solche Rundtänze braucht man im ganzen weiteren Leben, die Figurentänze kann man oft nie wieder anwenden.
kirwa.net: Was rätst Du denn den zahlreichen Kirwamoilan, damit Ihre Kirwan ein voller Erfolg wird und sie sich gerne daran zurückerinnern und der Kirwaburschen nicht sagen muß: "Mit Dir danz ich nimma aas!"
Evi Strehl: Löiwe Kirwamoila: Schont doch Eure Kirwaboum! Manche vertragen es einfach nicht, wenn die Moila trinkfester und singstärker sind als sie! Aber auch das hat sich geändert: Früher hatten die Moila nichts zu sagen auf der Kirwa - heute gehts ohne die Moila einfach nicht mehr! (Verzeihung, löiwe Kirwaboum, owa ich bin halt einfach aa a Kirwamoil, und döi möin z´sammhaltn!)
kirwa.net: Und was ist Dein Rat an all die Kirwaburschen, damit sie am Ende nicht mit leeren Händen dastehen?
Evi Strehl: Löiwe Kirwaboum: Schauts aaf engane Kirwamoila, tanzts mit ihnen, däit´ses pfleng und bei Laune haltn, damits gor niat aaf die Idee kumma, naou an andern Kirwaboum Ausschau zu haltn!
kirwa.net: Evi, Du hast wahrscheinlich schon mehr Kirwan miterlebt, mitorganisiert und mitgespielt als die meisten alten "Kirwahaudegen". Somit hast Du einen guten Überblick über das bunte Kirwatreiben in unserer Region. Was war Dein erster Gedanke, als Du gehört hast, daß die Kirwan jetzt auch online im Kirwa.net zu sehen sind?
Evi Strehl: Mein erster Gedanke war: SUPER!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Als technisch Unbegabte habe ich es trotzdem geschafft, in Euer Kirwa.net einzudringen und war einfach begeistert! Ich werde es bei weiteren Publikationen über den Kirwabrauch sowie in einer geplanten weiteren Rundfunksendung gebührend erwähnen! "Kirwa.net" ist absolut informativ, witzig aufgemacht, sehr sorgfältig recherchiert, ausgewogen und mit sichtbar viel Mühe und Arbeit aufgebaut. Wir leben im Jahr 2001 und nicht mehr 1950 und dem muß man auch Rechnung tragen, ohne dem Zeitgeist allzu nachzulaufen. Es war notwendig und Ihr habt das erkannt. Mein großes Kompliment und ein herzliches Dankeschön an alle, die daran mitarbeiten!
kirwa.net: Letzte Frage: Was glaubst Du ist das sogenannte Kirwahupferl?
Evi Strehl: Jetzt habt Ihr mich erwischt: Keine Ahnung! Vielleicht eine Belohnung eines Kirwamoils an ihren Kirwaboum? (In Schokoladiger Form natürlich)

01.06.01 - Martin Klann, Uli Iberer



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