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10 Fragen an ...
Martin Meier, Moderator bei Radio Ramasuri

10 Fragen an Martin Meier, Moderator bei Radio Ramasuri Martin Meier, als "MM" oder "Morgenmeier" bei Radio Ramasuri holt er jeden Morgen tausende Oberpfälzer aus dem Bett. Als gebürtiger Kümmersbrucker kennt er sich nicht nur in der Region aus, sondern weiß auch, was es mit der Kirwa auf sich hat. Das kirwa.net hat sich mit ihm in dieser Sache unterhalten...
kirwa.net: Kirwa? Kannst Du damit was anfangen?
Martin Meier: Ja kann ich. Zum einen bin ich schon immer Kirwa-Gänger und "Bierzelthockl", zum anderen interessier ich mich seit den letzten 3 bis 4 Jahren intensiver mit dem "Kirwa-Phänomen". Die Tatsache dass sich in einem Dorf eine solch große Zahl von "Jungen" und "Alten" zuammenfindet und ein so ein Projekt miteinander stemmt find ich klasse. Vor allem zeigt es, dass trotz aller Trends jeder zu seiner Herkunft und Heimat steht. Auf einmal rennt jeder in Lederhosen und Dirndl rum. Gäbs ohne Kirwan glaub ich gar nicht mehr. Toll!
kirwa.net: Bist Du selber schon mal auf einer Kirwa aktiv gewesen?
Martin Meier: Leider nicht! Der Kirwa-Boom ging erst nach meiner Zeit als "Junger" los. In Kümmersbruck ist außerdem in Sachen Kirwa damals eh nix gewesen. Schod...
kirwa.net: Wie erklärst Du einem Außenstehenden, beispielsweise einem Bekannten aus Hamburg, das Besondere an der Kirwa?
Martin Meier: Wirst lachen, musst ich schon mal machen. Hab ihm gesagt da sind ein haufen Mädlels und Jungs die einen großen Baum aus dem Wald ziehen und ihm teilweise die Rinde abschälen. Den dann auf einer großen, völlig unbewaldeten Wiese wieder in den Boden stecken. Daneben wird ein großes Haus aus Plastikbahnen aufgestellt in dem dann viele Menschen auf harten Holzbrettern oft drei Tage am Stück sitzen. Sobald es dunkel wird stehen die meisten dann sogar auf den Holzbrettern...neben Würsten die auf offenem Feuer gebraten werden gibt es Literweise kaltes Bier. Auf der Bühne steht eine "Live-Kapelle". Der Mann war begeistert!!
kirwa.net: Siehst Du aktuell Gefahren auf die "Kirwakultur" zukommen?
Martin Meier: Ich glaub man muss einfach aufpassen was man aus der Kirwa macht, oder machen lässt. Die Kirwa hat einen Ursprung, einen Grund ihres entstehens und hat sich über die Jahrhunderte immer verändert. In den letzten Jahren hat sich in unserer Gesellschaft eine "Wegschütt-Bewegung" unter den jungen Leuten entwickelt. Die Leute hat man aber überall. Egal ob in Discotheken, Johannisfeuer, Altstadtfest, oder eben auch auf Kirwan. Dem ist aber gerade auf einer Kirwa ganz leicht bei zu kommen find ich. Hier gibt es einen Wirt, Kirwa-Paare, viele Helfer die aufpassen könnten. Man muss es nur tun! Lob hier zum Beispiel an den Musikverein in Kümmersbruck der konsequent am Bockbierfest in der Mehrzweckhalle Ausweikontrolle betrieben hat. Und siehe da, genau das Publikum das man nicht haben möchte kam gar nicht rein, oder bekam halt keinen Bock. Und siehe da, weg warn sie. Ein schönes Fest wars.
kirwa.net: Du arbeitest bei einem Radiosender, der weite Teile der Oberpfalz bedient. Kirwa ist im Landkreis Neustadt oder Tirschenreuth was anders als rund um Amberg, oder?
Martin Meier: Ja, absolut. Wenn man nur die Kirwan im Landkreis Amberg-Sulzbach kennt, meint man das ist ganz normal und überall so. Ist es nicht. Wir haben da schon wirklich was außergewöhnliches. Ich war hier schon in ein paar Bierzelten bei Veranstaltungen. Es ist etwas ganz anderes. Keine Kirwa-Paare, kein Austanzen, keine Kirwa-Muse wie bei uns, oft kein Butzelkaih oder Kohlegrill. Es ist hier im Raum Weiden, Neustadt usw. halt ein Fest im Bierzelt, aber keine Kirwa wie bei uns. Soll nicht heißen dass hier nicht gefeiert wird, aber anders halt.
kirwa.net: Habt ihr auch Kirwalieder im Programm, werden die gewünscht?
Martin Meier: Was wirklich mit Kirwa direkt in Verbindung gebracht wird ist "Wüids Wasser" von den "Seern", das Bobfahrerlied von Willy Michl und entfernt vielleicht noch "Irgendwann bleib I dann durt" von "STS". Letzteres läuft bei uns normal in der Programm-Rotation mit, die beiden anderen sind natürlich Ausnahmenummern die gespielt werden wenn ein spezieller Bezug da ist. Gewünscht wird immer wieder wenn es gerade gelaufen ist as "Wüide Wasser".
kirwa.net: Was hältst Du von einem Kirwamuseum im Landkreis Amberg-Sulzbach?
Martin Meier: Find ich eine ganz klasse Idee. Kirwa ist Brauchtum, Kirwa feiern ist sozusagen aktive Brauchtumspflege. Teilweise zumindest. Baum, Kranzl-Binden, Tänze, Lieder. Damit auch wirklich Kirwa das bleibt was es war, ist es ganz wichtig dass alte Bräuche und Lieder nicht vergessen werden. Vor allem auch alles einmal zusammengetragen wird. Interessant ist so ein "Museum" vor allem weil es ein Treffpunkt für all jene werden wird, die sich um die Kirwa wirklich kümmern. Da wird dann die viel besagte "Kirwa-Kultur" gelebt.
kirwa.net: Kirwa und Museum, ist das nicht ein Widerspruch?
Martin Meier: Klingt auf jeden Fall erst einmal so, als würde das nicht zusammen passen. Ich meine, es wird bestimmt kein Museum im herkömmlichen Sinn angedacht sein. Aber als Treffpunkt und "Aktivitäts-Zentrale" für alle die sich um die Kirwa kümmern und bemühen glaub ich funktioniert das auf jeden Fall. Auch gibt es haufenweise Bilder, Noten, Geschichten, Bräuche die hier archiviert werden könnten.
kirwa.net: Was war Dein schönstes Kirwa-Erlebnis?
Martin Meier: So direkt ein schönstes gibt es da eigentlich nicht. Schön ist wenn man am nächsten Tag noch weiß was alles war.....
kirwa.net: Obligatorische Frage: Was, glaubst Du, ist denn ein "Kirwahupferl"?
Martin Meier: Ich weiß mittlerweile was es ist...ist ja quasi auch ein alter Brauch und somit auch irgendwie aktive Brauchtumspflege.

28.03.06 - Uli Piehler



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